Re : SCENE#1
Ich habe aufmerksam zugehört. Es war mir eine Ehre, als Erste Ihre Geschichte hören zu dürfen. Dankdessen bin ich derzeit mit einer so reinen Herzensstimmung erfüllt, dass ich diese Antwort schreibe, bevor dieser Nachhall verfliegt.
Um ehrlich zu sein, war „Dazzling Night“ eine ziemliche Überraschung. Ich hatte vermutet, dass das erste Album von La Poem, insbesondere die thematische Erzählung, von den wärmsten Dingen handeln würde. Überraschenderweise war es eine Geschichte, die eine quälend traurige Trennung paradoxerweise wunderschön auflöste. Irgendwann wurde ich zu einer Texterin, die eine „Trennung“ nicht mehr einfach nur sehr traurig schreiben kann. Und zwar seit dem Moment, als ich begriff, dass einer Trennung eine Energie voraus- und nachgeht, die stark genug ist, um einen ganzen Menschen heranzuziehen. Die Erfahrung, etwas so Kostbares besessen zu haben, dass es den Namen „Trennung“ verdient; die Angst, die man erst lernt, wenn man etwas besitzt, das man nicht verlieren möchte; und die Kraft, die man im Maße dieser Angst gewinnt. Und anschließend die unzähligen Kummer und die Gelassenheit, die man aufbringen muss, um das Loslassen eines so wertvollen Dinge zu akzeptieren, bis hin zu dem beständigen Raum namens „Ich“, der nun wieder in der Lage ist, die daraus resultierenden schönen Dinge aufzunehmen.
Nach der kraftvollen Begrüßung durch „Amigos Para Siempre“ hatte ich beim aufeinanderfolgenden Hören von „New Moon“, „Dazzling Night“ und „First Rain“ das Gefühl, dass unnötige, klebrige Dinge, die in mir gestaut waren, geleert wurden. Besonders „La Tempesta“ erzählte mir dies noch entschiedener. Ich habe einmal gesagt, dass La Poem ein Team werden würde, das wie ein High-End-Audiosystem ist. Was einen guten Klang erzeugt, ist vor dem Instrument und der Musik erst einmal der „Raum“. War es wohl typisch für La Poem, zuerst den Raum zu ordnen, in den die Lieder hineinströmen sollen?
Vielen Dank, dass Sie mir durch das Album gezeigt haben, dass eine gute Geschichte und ein guter Klang keineswegs getrennte Konzepte sind. Ich werde mir auch die aufmerksame Geste merken, zuerst die schwersten und schmerzhaftesten Dinge sanft berührt zu haben.
P.S.: Interessanterweise nahmen die Stimmen der vier für mich unterschiedliche Rollen ein. Als „Ideal“, „Entschluss“, „das Ich, das den heutigen Tag übersteht“ und „der Boden, auf dem ich stehe“. Die richtige Zuordnung lasse ich jedoch der Interpretation eines jeden Einzelnen über.
Herzlichst, Kim Eana
1. Kein Poster
2. 165mm x 145mm